Ehrlichkeit hat in der heutigen Welt keinen Platz mehr.- Aber in meiner.

Freitag, 14. November 2014

Ghana-Nachwehen aus der Schweiz

Bald sind wir wieder drei Monate zurück in der Schweiz. Ich habe mich zurück eingelebt, erfreue mich ab eingehaltenen Fahrplänen, einer warmen Dusche, Strom in allen Räumen des Hauses, Schlafen ohne Moskitonetz. Ich kann wirklich sagen, ich bin wieder zurück. Doch immer wieder werde ich von den Erlebnissen im Sommer eingeholt, immer wieder darf in meinen Erinnerungen versinken, manchmal schwermütig, manchmal erfreut, manchmal auch schmuntzelnd, doch immer dankbar. Dankbar für all die Eindrücke und Lehren, Einsichten und Umdenkensweisen. Wenn ich heute im Gebärsaal höre jedes Mal die ghanaische Hebamme, wie sie jeder Frau zwei 'bedmats' und eine Plastikunterlage für die Geburt verkaufte. Bei jeder Geburt überrascht es mich immer wieder wie sie mit so wenig Material auskommen, während ich eine Unterlage nach der anderen wechsle. Vor wenigen Tagen waren wir im Spital Bülach im Labor zu Besuch (wer mich ein wenig kennt, weiss, dass ich Blut und Blutwerte, das Zusammenspiel im Körper sehr faszinierend finde) anfangs habe gar nicht an ich mein Laborerlebnis im Royal MMR hospital in Accra gedacht, doch als wir vor den riesigen Maschinen standen und durch mehrere Räume geführt wurden, kam mir James in seinem kleinen Labor in den Sinn. Wie er mit einem Mikroskop, einigen Lösungen und einem Zentrifugator auskam. Natürlich bekam er nicht die gleich exakten und gleich ausführlichen Ergebnisse, doch er sah sich jede Blutprobe unter dem Mikroskop selber an, zählte Blutbestandteile. Es war sehr eindrücklich auf diese Art und Weise an Ghana erinnert zu werden.
An was ich mich aber momentan selber am meisten erinnern muss, manchmal muss ich mich fast dazu zwingen, ist das entspannt sein, das Gefühl von, es kommt alles schon irgendwie gut, ich brauche mir keinen Stress zu machen. Natürlich kann das hier in der Schweiz nicht so umsetzen wie in Ghana, doch nur schon das Gefühl hervorzurufen hilft.
Ansonsten bin ich soweit es meine Zeit zu lässt immer noch ein wenig mit Ghana in Kontakt. Ich habe damals in einem Internetkaffee Markus getroffen, erst war ich ein wenig genervt, dass ich nicht einmal im Internetkaffee meine Ruhe haben konnte, doch dann erzählte er mir von seinem Projekt. Er hilft momentan Strassenkindern in Accra eine Gesundheitsversorgung zu erhlaten, anfangs half er den einzelnen Kindern selbst, er übernahm also für sie die Gesundheitskosten und finanzierte ihnen die NHI (national healthinsurance). Vor einigen Woche bekam ich ein äusserts erfreuliches Mail eines freudestrahlenden Markus, welcher mir berichtete, dass es ihm gelungen sei, gemeinsam mit einer deutschen Organisation, den Strassenkindern aus Nima (ein Quartier in Accra in welchem wir ebenfalls 2 Wochen lebten) die NHI zu finanzieren. Doch sein eigentliches Projekt geht viel weiter, ermöchte den Strassenkindern in Accra Bildung ermöglichen, er möchte, dass die Kinder eine Chance auf ein Leben neben der Strasse erhalten. Besonders liegen Markus die Mädchen am Herzen, da sie häufiger noch schlechter dran sind als die Jungen, häufig erfahren sie bereits im jungen Alter Gewalt aber auch Vergewaltigung, viele werden ungewollt schwanger. Ihnen möchte er durch das Unterrichten von Sexualkunde die Hand bieten sich aus diesem Teufelskreis zu lösen. Ein hochkomplexes aber sehr lohnenswertes Projekt, was er hier aufbaut. Kurz nachdem ich aus Ghana zurück war, schickte er mir sein vorläufiges Schreiben zu und erst da wurde mir die miserable Situation der Strassenkinder bewusst, noch heute, wenn ich diese Schreiben wieder vor mir habe, treten mir Tränen in die Augen- unter solchen Umständen soll kein Mensch dieser Welt leben sollen. Dafür setzt er sich ein und ich bin froh einen kleinen Beitrag zu leisten ihn auf diesem Weg zu unterstützen.

Ich habe euch noch einige Fotos versprochen. Voilà:

                                           
 Auf zur Hochzeit in den afrikanischen Kleidern =)




                                                    
                                                     
 Wasser holen vor dem Waschen


                                                                
                                                                 
 das Waschen


                                                    
                                                         
 der ghanaische Tumbler




                                                                  
Volta-Delta


                                                 
 Elmina, eine atemberaubendeStadt


                                                     
 Auf Wanderschaft im 'Tessin'



                                                        
Elefanten in freier Wildbahn


Und für diejenigen, die sich noch etwas lebhafter ein Bild machen wollen, habe ich ein kurzer youtube Video gefunden, dass Tamale (die nördlichste Stadt, welche wir bereisten, sehr gut darstellt)- Viel Spass!
https://www.youtube.com/watch?v=AWrxfiG2wmM